Der hohe Fleischkonsum in Österreich fördert eine negative Kettenreaktion:
Wir schädigen unsere Gesundheit, zerstören die Umwelt und verhindern eine nachhaltige Neuordnung der Landwirtschaft. Ein Umdenken und kleine Schritte in die richtige Richtung könnten wahrlich Großes bewirken. Eine Bestandsaufnahme.

Wie bei vielen Dingen entsteht das Gift erst durch die Dosis, also der Menge, die wir uns gönnen. Und wir gönnen uns einfach zu viel Fleisch. Bis zu dreimal zu viel als gesundheitlich zuträglich ist. Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) empfiehlt maximal 20 Kilogramm Fleisch pro Person und Jahr. Tatsächlich liegt dieser Wert bei 64,1 Kilogramm. Viele Studien zeigen, dass ein Überkonsum von Fleisch unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhtes Cholesterin und Darmkrebs begünstigt. Wären das die einzigen Auswirkungen, könnte man diese Problematik unter Eigenverantwortung abhaken. Die Folgen sind aber viel gravierender: für die Umwelt und den Selbstversorgungsgrad Österreichs.

Umweltdesaster
Um die hohe Nachfrage nach Fleisch zu ­decken, ist eine intensive Massentierhaltung mit entsprechender Futtermittelversorgung notwendig. So werden bereits 60 % ­unserer landwirtschaftlichen Flächen für den Futtermittelanbau verwendet. Zur Bedarfsdeckung importiert Österreich pro Jahr zusätzlich 500.000 Tonnen an ­Sojafuttermittel, die auf einer Fläche von 197.000 Hektar angebaut werden. Vor allem in Brasilien und Argentinien, womit wir ­direkt und indirekt zur Zerstörung der Tropen­wälder und zu Biodiversitätsverlusten beitragen. Doch auch in Österreich zerstört die intensive landwirtschaftliche Nutzung natür­liche Lebensräume. Und unsere Böden werden mit 5,3 Millionen Tonnen Pestiziden pro Jahr belastet. Hinzukommt der Anteil der Landwirtschaft an den klimaschädigenden Treibhausgas-Emissionen. Dieser liegt bei 10,2 %. Die Hauptverursacher: Rindfleisch, Kalbfleisch, Schweinefleisch, Hühnerfleisch, Käse, Schlagobers, Butter und Eier. Pflanz­liche Produkte sind nur minimal relevant.

Ressourcenverschwendung
Würden nun weniger Fleischverbrauch und weniger Tiere in den Ställen etwas ändern? Dazu liefern Thomas Lindenthal und Martin Schlatzer in einem wissenschaftlichen Diskussionspapier der Universität für Bodenkultur interessante Daten und Fakten. So ist zum Beispiel die Umwandlungsrate von pflanzlichen in tierische Kilokalorien höchst ineffizient. Diese schwankt je nach Tierart zwischen vier und zehn Kilokalorien. Das bedeutet: Für ein Kilogramm Rindfleisch werden zwischen acht und fünfundzwanzig Kilogramm Futtermittel benötigt. Das Fazit der beiden Autoren: „Es ist daher deutlich effizienter, Ackerflächen dafür zu nutzen, Lebensmittel direkt für die Humanernährung anzubauen.“ Ein Beispiel dazu: Würde global jenes Getreide, das als Futter für den Nutztierbereich eingesetzt wird, direkt für die menschliche Ernährung zur Verfügung stehen, könnte die Nahrungsenergie um 70 % erhöht werden. Damit könnten um bis zu vier Milliarden Menschen mehr ernährt werden oder – im Umkehrschluss –
bei gleichbleibender Bevölkerungszahl der Druck auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen erheblich reduziert werden.

Jeder Einzelne ist gefragt
Auf eine gesunde Ernährung mit weniger Fleisch umzusteigen, macht also Sinn, hilft unserer Gesundheit und unserer Umwelt. Gleichzeitig könnte auch der Selbstversorgungsgrad durch die österreichische Landwirtschaft hin zu gesunden Produkten verändert werden. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger hat unter anderem dafür die Initiative „Österreich isst regional“ gestartet. Ihr Credo: „Wenn um ein Prozent mehr heimische Lebensmittel gekauft werden, schafft das 3.100 Arbeitsplätze und eine zusätzliche Wertschöpfung von 140 Millionen Euro.“ Gefragt ist dabei ­jeder Einzelne: bewusster ernähren, weniger Fleisch und regional einkaufen!