Das Fortschrittsdenken in den USA und Chinas Ausbau der Atomkraft haben wirtschaftliche und sicherheitsrelevante Auswirkungen auf Europa. Ein Faktencheck.

Die USA stellen zwar nur vier Prozent der Weltbevölkerung, haben aber 25 Prozent des weltweiten Wohlstands angehäuft. Von den 100 Unternehmen mit dem weltweit größten Marktwert befinden sich mehr als die Hälfte in den USA sowie rund ein Drittel der weltbesten Universitäten. Und das Land erbringt trotz China immer noch ein Drittel der globalen Innovationsleistung. Das erkennt man auch daran, dass mehr als 40 Prozent aller Nobelpreise bis heute an Amerikaner gingen. Laut „Technology­ and Innovation Report 2021“ der UNO ist kein Land der Welt besser auf neue Technologien vorbereitet. Mit Microsoft, Google, Amazon, Apple oder Facebook dominieren die USA auch das Internet und die elektronische Zukunft. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Start-ups. Warum die EU dem wenig entgegenzusetzen hat, versuchte der niederländische Ökonom Arjo Klamer zu erklären. Er beschreibt die USA als eine Karawanen-Gesellschaft, die immer auf der Suche nach neuen Horizonten und Opportunitäten ist. Die europäischen Länder seien hingegen traditionelle Zitadellen-Gesellschaften: Sie ziehen sich in ihre Trutzburgen zurück und verteidigen das Erreichte, statt innovativ voranzugehen.

Chinas strahlende Pläne
Schauplatzwechsel im Faktencheck zur aufstrebenden Supermacht China. Seit der Atomkatastrophe in Fukushima verfünffachte China die nukleare Produktion. Im Jänner 2021 ging mit Hualong One Chinas erstes Atomkraftwerk – Marke Eigenbau – mit der Leistung von 1.000 MWe ans Netz. Acht weitere Anlagen befinden sich im Bau. Bis 2060 will China seinen Strombedarf mehrheitlich aus Kernenergie decken. Während nun also die Strahlen­gefahr aus dem Osten steigt, plant Europa­ den Ausstieg aus der Atomkraft und setzt auf ­Alternativenergie. Doch der Flatterstrom von Wind und Sonne bedroht die europäischen Netze und Blackouts können mitunter nur durch das Hochfahren von Kohlekraftwerken verhindert werden. Die Energiewende ist somit eines der wichtigsten und zugleich risikoreichsten Vorhaben der EU. Mit Folgen: denn ­die Versorgungssicherheit und billiger Strom bedeuten Wettbewerbsfähigkeit und auch Wohlstand. Quo vadis
Europa?

Sonne, Wind, Kernfusion
In Cadarache, Frankreich, entsteht der größte Kernfusionsreaktor der Welt. Der Haken: Erst 2025 wird man wissen, ob diese saubere Technologie überhaupt funktioniert. Wenn ja, wären alle Energieprobleme gelöst. Wenn nein, wird es schwierig. Um ein Atomkraftwerk zu ersetzen, benötigt man cirka 2.000 Windräder. Also über 200.000 in ganz Europa.