Im MedAustron in Wiener Neustadt werden Tumore mit Protonen und Ionen beschossen. Diese werden im Synchrotron auf 200.000 Kilometer pro Sekunde beschleunigt.

Die Anlage in Wiener Neustadt, NÖ, ist einzigartig in Österreich. Und auch weltweit gibt es nur ­weitere fünf vergleichbare Anlagen, die mittels Protonen und Kohlenstoffionen Tumore ­bekämpfen. Global wurden bis heute ­etwas mehr als 250.000 Patienten mit Partikeltherapie behandelt. Aus diesem Grund ist diese innovative Technologie für das kleine Österreich ein wahrer Schatz in der Tumor­therapie. Die Methode basiert auf den ­besonderen physikalischen Eigenschaften von Ionen. Beim Eindringen von geladenen Teilchen in das menschliche Gewebe geben diese Energie ab. Je langsamer sie werden, desto höher ist der Energieverlust, der kurz vor dem annähernden Stillstand seinen ­Höhepunkt erreicht („Bragg-Peak“).

Anwendungsgebiete
Einfach erklärt bedeutet das Folgendes: Die Teilchen können – ohne Schäden anzu­richten – in den Körper eindringen, durch lebenswichtige Organe hindurchsausen und erst in der Tiefe der Krebszelle ihre zerstörerische Kraft entwickeln. Die Ionentherapie kommt vor allem bei Tumoren zur Anwendung, die gegen traditionelle Strahlen resistent sind oder sich in einer schwierig zu behandelnden anatomischen Lage befinden. Zum Beispiel Tumore der Schädelbasis, Kopf- und Halstumore, Hirntumore, Sarkome oder HNO-Tumore. Die Ionenbestrahlung ist ebenso anwendbar bei Tumor­erkrankungen an Lunge, Pankreas, Leber oder in der Becken­region. Besonders bei kindlichen Tumoren ist oft eine Ionentherapie indiziert. Pro Jahr können bis zu 1.000 Behandlungen durchgeführt werden.
Das MedAustron ­verfügt über drei Behandlungsräume für Patienten. Wobei ein Behandlungsraum die landläufige Vorstellung davon sprengt. Dieser besteht aus einem 220 Tonnen schweren Drehgestell (siehe Bild unten), das die Bestrahlung aus beliebigem Winkel mit einer Genauigkeit von 0,3 Milli­metern ­ermöglicht. Science-Fiction pur.

Teilchenbeschleuniger
Kernstück der Anlage ist das Synchrotron, also der Teilchenbeschleuniger. Kohlendioxid bzw. Wasserstoffgas wird auf extrem hohe Temperaturen erhitzt, wodurch ein Plasma erzeugt wird. Durch elektrische Felder werden aus diesem Plasma die positiv geladenen Ionen von den negativ geladenen Elektronen getrennt. Die Ionen werden im Synchrotron auf eine Kreisbahn mit einer Länge von rund 80 Metern geführt, in der magnetische Felder die geladenen Teilchen ablenken und bei jedem Durchlauf schrittweise beschleunigen. Geschwindigkeiten von bis zu 2/3 der Lichtgeschwindigkeit werden dabei im Synchrotron erreicht. Also 200.000 Kilometer pro Sekunde. Sind die Teilchen für den Patienten individuell richtig aufbereitet, werden sie Richtung Behandlungsräume geleitet und als Killer auf den Tumor abgeschossen.