Die Europäische Kommission hat ein Grünbuch vorgelegt, mit dem sie eine breite politische Debatte über die Herausforderungen und Chancen einer alternden Gesellschaft in Europa anstoßen möchte. In dem Grünbuch legt die Kommission die Auswirkungen dieses deutlichen demografischen Trends auf unsere gesamte Wirtschaft und Gesellschaft dar.

Dubravka Šuica, Vizepräsidentin für Demokratie und Demografie, erklärte: „Die Tatsache, dass wir länger leben und gesund bleiben als die Generationen vor uns, zeigt den Erfolg und die Stärke unserer sozialen Marktwirtschaft. Sie bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich und eröffnet Chancen, über die wir nachdenken müssen. Mit diesem Grünbuch wird eine Diskussion darüber angestoßen, wie wir das volle Potenzial einer alternden Bevölkerung nutzen können – ihre mögliche Triebkraft für Innovationen – und welche politischen Schritte dafür notwendig sind.

Das Grünbuch steckt den Rahmen für die Debatte über die Bevölkerungsalterung ab, indem es die Geschwindigkeit und das Ausmaß des demografischen Wandels in unserer Gesellschaft sowie die zugehörigen Auswirkungen für unsere gesamte Politik darlegt und die Fragen aufzeigt, die wir uns selbst stellen müssen. Dazu zählen alle Aspekte von der Förderung einer gesunden Lebensführung und des lebenslangen Lernens bis hin zur Stärkung der Gesundheits- und Pflegesysteme für ältere Menschen. Das Papier betont die Notwendigkeit, mehr Menschen in die Erwerbsbevölkerung einzugliedern, zeigt die Möglichkeiten zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen auf und geht auf die Auswirkungen der Alterung auf unsere Berufslaufbahn, unser Wohlergehen, unsere Renten, unseren Sozialschutz und unsere Produktivität ein.

In diesem Grünbuch wird ein Lebensverlaufansatz verfolgt, der die universellen Auswirkungen des Alterns auf alle Generationen und Lebensphasen berücksichtigt. Dabei wird auch verdeutlicht, wie wichtig das richtige Gleichgewicht zwischen nachhaltigen Lösungen für unsere Sozialsysteme und der Stärkung der Solidarität zwischen den Generationen ist.

In den kommenden Jahrzehnten wird es immer mehr ältere Menschen in der EU geben. Heute sind 20 % sind der Bevölkerung älter als 65 Jahre, und bis 2070 werden es 30 % sein. Derweil wird sich der Anteil der über 80-Jährigen voraussichtlich mehr als verdoppeln und bis 2070 bei 13 % liegen. Auch die Zahl der potenziell langfristig pflegebedürftigen Menschen wird voraussichtlich von 19,5 Millionen im Jahr 2016 auf 23,6 Millionen im Jahr 2030 und 30,5 Millionen im Jahr 2050 ansteigen (EU-27).

Die nächsten Schritte

Die eingeleitete öffentliche Konsultation steht interessierten Bürgerinnen und Bürgern und Organisationen aus allen Mitgliedstaaten, auch auf regionaler und lokaler Ebene, offen. Anhand der Ergebnisse der Konsultation soll genau ermittelt werden, welche Unterstützung die Menschen, ihre Regionen und Gemeinschaften benötigen. Auf dieser Grundlage wird die Kommission mögliche politische Strategien prüfen, um die Mitgliedstaaten und Regionen in ihren Bemühungen zur Bewältigung der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Bevölkerungsalterung zu unterstützen.

Hintergrund

Diese Kommission hat die Demografie ganz oben auf die politische Agenda der EU gesetzt. Aus dem im Juni 2020 von der Kommission verabschiedeten Bericht über die Auswirkungen des demografischen Wandels geht hervor, dass die Lebenserwartung bei der Geburt sowohl bei Männern als auch bei Frauen in den letzten 50 Jahren um etwa 10 Jahre gestiegen ist. Das Grünbuch zum Thema Altern ist das erste Ergebnis dieses Berichts und leitet eine Debatte über die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit der Bevölkerungsalterung in Europa ein, auf die eine langfristige Vision für ländliche Gebiete folgen soll, die sich auch mit der Frage der Landflucht beschäftigen wird.