14 Menschen mit sieben Schlüsseln haben weltweit das Internet in der Hand.

Als Wladimir Putin 2019 die gesetzliche Grundlage für ein eigenes Internet schaffen ließ, hatte er dafür handfeste Gründe. Dem russischen Präsidenten war wohl bewusst, dass das Funktionieren des weltweiten Internets vom Wohlwollen Amerikas abhängt. Es klingt ein wenig nach Science-Fiction oder könnte aus der Feder des Bestsellerautors Dan Brown entsprungen sein, ist aber pure Realität. Das Internet wird von 14 Menschen kontrolliert, die sich viermal pro Jahr in Los Angeles oder Washington D. C. in einem Hochsicherheitsraum, der völlig abgeschirmt ist, treffen. Nicht einmal Putztrupps haben dort Zutritt.

ICANN. An diesen Orten hält die Organisation ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) sogenannte Schlüsselunterzeichnungszeremonien durch. Diese mächtige Vereinigung lässt das Internet funktionieren. Sie verwaltet das Telefonbuch des Internets mit den IP- Adressen, denen jeweils der Name einer Homepage zugeordnet ist. Würde die IP-Adressen-Datenbank zusammenbrechen, wäre keine einzige Homepage mehr aufrufbar. Und sollte das System manipuliert werden, könnten Bankseiten umgeleitet werden. Die Folge wäre ein weltweites Chaos.

Generalschlüssel: Bei ihrer Zeremonie erneuern die Schlüsselträger den Generalschlüssel des Internets, mit dem auch bei einem Totalausfall des Internets ein Neustart möglich wäre. Und das funktioniert so: Es gibt sieben Schlüsselträger, sogenannte Krypto- Offiziere. Diese besitzen sieben physische Schlüssel, die Schließfächer ihrer Besitzer auf der ganzen Welt öffnen. In den Schließfächern lagern Smartcards. Vereint gewähren sie Zugriff auf einen Computer, der wiederum einen digitalen Generalschlüssel generiert – das Passwort der ICANN-Datenbanken. Gleichzeitig ernannte ICANN sieben Schattenträger. Diese besitzen keine physischen Schlüssel, sondern lediglich Smartcards, auf denen Stücke des Codes gespeichert sind. Das dient zur Absicherung des Systems.

Wissenswert

Ip-Adresse: Sobald man eine Internetseite ins Netz stellt, ist sie auch über die IP-Adresse des Servers erreichbar. Leider sind diese Zahlenreihen für den Menschen nicht einfach zu merken. Da die Benutzung von IP-Adressen also weder praktisch noch benutzerfreundlich ist, wurden die Domainnamen erfunden. Wenn man den Namen der Domain eintippt, fragt der Computer das Domain Name System automatisch und unsichtbar nach der IP-Adresse
des Servers, auf dem die Seite gespeichert ist.